G-Junioren (Bambinis)

Trainer und Übungsleiter sind für die G-Junioren (Bambinis) Hr. Christian Steenbeck und Hr. Gergö Kempf


Turnier in Zschepplin

 

 


das ist nur ein Teil unser Kleinsten

 

Auch die ersten Erfolge sind zu Verzeichnen.


 

 

 

FC Elbaue Torgau e.V./Pressemitteilung/PM 2013-10-19-11

Dennis Sergeev und die wechselvolle Geschichte seiner Familie

 

Am 22.Juli 1763 setzte Zarin Katharina die Zweite, später die Große genannt, ihre Unterschrift unter einen Erlass, durch den ab 1783 Ausländer, insbesondere Deutsche, eingeladen wurden, in diesem riesigen Land zu siedeln, um zum wirtschaftlichen und sozial- kulturellen Aufschwung des Zarenreiches beizutragen. Diese Urkunde der Herrscherin, die 1729 als Sophie Friederike von Anhalt- Zerbst in Stettin geboren wurde, wird auch als „Einladungsmanifest“ bezeichnet, mit dem die Geschichte der „Russlanddeutschen“ beginnt. Ab 1786 erfolgte eine gezielte Ansiedlung von Russen, Ukrainern und Deutschen auf der Krim im ehemaligen Krim- Khanat, wo im Kolonisationsgebiet Neurussland ein Gouvernement Taurien eingerichtet wurde, um die Stellung der dort ansässigen Krimtataren, die erklärte Gegner der Zarin waren, zu schwächen*.

Im Norden Kasachstans, angrenzend an Russlands Regionen Omsk, Nowosibirsk und das Altai- Gebirge, liegt die Stadt Pawlodar. Sie zählt heute rund 500.000 Einwohner und ist Verwaltungszentrum. Was verbindet nun den Erlass der berühmten Zarin mit dieser Stadt im fernen Kasachstan und mit Dennis Sergeev?  

Deutsche Familien wurden nach Beginn des Überfalls Hitler- Deutschlands auf die Sowjetunion durch den Befehl Stalins aus ihrer ursprünglichen Heimat auf der Krim nach Kasachstan zwangsumgesiedelt. 1939, zwei Jahre vor der Deportation im August 1941, waren auf der Krim von damals 1,1 Millionen Einwohnern etwa 60.000 deutscher Herkunft*. Darunter waren auch die Maiers, Dennis Urgroßeltern. Familie Maier war seit vielen Generationen auf der Krim ansässig. Innerhalb von zwei Tagen mussten die Angehörigen Haus und Hof verlassen und sich auf die mehrmonatige Fahrt ins Ungewisse begeben. Es gelang Familie Maier, sich auch in ihrer neuen Heimat, in Pawlodar, ein neues Leben aufzubauen- weit ab der Krim. Tochter Rita, Dennis` Mutter, heiratete Vitali Sergeev und gründete ihre eigene Familie. Nach dem Ende der Sowjetunion allerdings verließen viele der deutschstämmigen Familien Pawlodar. Das junge Kasachstan kämpfte und kämpft immer noch mit einer Vielzahl von Problemen, so dass die Lebensbedingungen äußerst schwierig sind. „Wir haben immer gearbeitet, ich als Diplom- Grundschullehrerin, mein Mann als Ingenieur. Aber oft bekamen wir monatelang kein Geld, so dass es sehr schwer war, die Familie zu ernähren.“ erzählt Rita Sergeev. „Und immer mehr unserer deutschen Freunde verließen deshalb Pawlodar in Richtung Deutschland. Wir haben sehr lange diskutiert, ob wir einen Antrag auf Übersiedlung stellen sollen. Das waren sehr schwere Wochen. Wir haben das Für und Wider abgewogen, immer und immer wieder. Schließlich fiel die Entscheidung: wir wollen in Deutschland noch einmal von vorn anfangen.“. Nach der Antragstellung vergingen noch einmal zwei Jahre, bis die Ausreise im Jahr 1997 genehmigt wurde. Die erste Tochter war gerade einmal elf Monate alt. „Und natürlich fiel uns der Abschied sehr schwer, wir ließen unsere Freunde zurück, Verwandte, Arbeitskollegen, unser gewohntes Umfeld, das Haus, den schönen Garten, eben unsere „zweite“ Heimat.“ erinnert sich Großvater Valentin, genannt „Valik“. „Und wir fuhren wieder ins Ungewisse, mit bangem Herzen und mit Trauer. Wer verlässt schon unaufgefordert seine Heimat?“

Wie wurden Sie nun in Deutschland aufgenommen?

Valik und Rita sind sich einig: „Wir haben von Beginn an vielfache Unterstützung bekommen. Vor allem war wichtig, unsere Kenntnisse der deutschen Sprache zu verbessern. Die Kurse haben uns dabei sehr geholfen. So haben wir uns recht schnell eingelebt.“ Rita ergänzt: „Ich musste die ersten Monate allein bewältigen, da mein Mann noch in Kasachstan geblieben war. Es war eine schwere Zeit, ausgefüllt mit vielen verschiedenen Problemen und Aufgaben. Aber schon im Heim in Großwig spürten wir, dass es viele Deutsche gibt, die uns helfen wollen. Das hat die Trennung schon erleichtert.“

Da Opa Valik selbst begeisterter Fußballer war, ist es nicht verwunderlich, dass auch Enkel Dennis leidenschaftlich dem runden Leder nachjagt. Der Opa: „Zwei Jahre spielt Dennis nun schon beim FC. Er fühlt sich wohl. Es macht ihm Spaß, mit den anderen Jungen zu spielen. Da gibt es keine Berührungsängste oder Vorbehalte mehr. Sie sind ein Team.“ Dennis ergänzt: „Mit dem Tim und mit Elias spiele ich am liebsten, die schießen die Bälle immer zu mir und ich sie dann ins Tor. Meistens.“ Valik, der seinen Enkel zum Training und den Spielen begleitet, hat dadurch schon eine ganze Reihe Gleichgesinnter getroffen. Da wird gefachsimpelt und diskutiert, über den kleinen und großen Fußball. Für beide ist der Fußballsport deshalb mehr als nur ein Zeitvertreib. 

Wie kann Integration noch gelebt werden? Dazu Rita: „Ich leite seit einigen Jahren den Gemeindechor in Süptitz. Die Sängerinnen und Sänger sind mit ganzem Herzen bei der Sache, wir kommen auch außerhalb der Chorstunden zusammen. Ich bin oft im FIT (Frauen- Initiative- Torgau), wir machen gemeinsame Ausflüge und ich habe viele Freunde, die wie wir nach Deutschland gekommen sind, aber auch Bekannte, die schon immer in diesem Land leben. Ich fühle mich in diesem Kreis sehr wohl.“

Natürlich hat Familie Sergeev auch ganz persönliche Wünsche für die Zukunft. An erster Stelle: dass die Familienmitglieder gesund bleiben. Dann vor allem, dass Rita mit ihrem Ehemann feste Arbeitsplätze finden. Das Diplom als Musiklehrerin für Grundschulen nutzt nicht, da es in Deutschland nicht anerkannt wird. Tochter Anastasia besucht die 12. Klasse des Johann- Walter- Gymnasiums, sie möchte ein Musikstudium absolvieren und später Konzertsängerin werden. Die „kleine“ Tochter besucht die 9. Klasse, auch sie will einen guten Abschluss erreichen. Schließlich kommt Dennis im kommenden Jahr in die Schule. Da wird schon jetzt Einiges geübt. Und vielleicht wird er ein richtig guter Fußballer. Eine Menge an Zielen, Aufgaben und Plänen also! Wünschen wir der Familie Sergeev dabei viel Erfolg und unserem Dennis viele Tore für den FC Elbaue.

 

Achim Schramm

*Quelle: Wikipedia/ DW